Privacy Policy Cookie Policy Terms and Conditions Georg Christoph Lichtenberg - Wikipedia

Georg Christoph Lichtenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Georg Christoph Lichtenberg
vergrößern
Georg Christoph Lichtenberg
Briefmarke Deutsche Bundespost (1992)
vergrößern
Briefmarke Deutsche Bundespost (1992)

Georg Christoph Lichtenberg (* 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt; † 24. Februar 1799 in Göttingen) war ein deutscher Schriftsteller und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik. Lichtenberg ist der Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.

Inhaltsverzeichnis


[Bearbeiten] Leben

Lichtenberg wurde in Ober-Ramstadt geboren und war das achtzehnte und jüngste Kind des protestantischen Pfarrers Johann Christoph Lichtenberg. Dieser stieg vom Dorfprediger zum Superintendenten für den Sprengel Darmstadt auf und zeichnete sich durch eine für einen Geisteswissenschaftler überdurchschnittliche naturwissenschaftliche Bildung aus. Georg Christoph Lichtenberg erhielt bis zum zehnten Lebensjahr Privatunterricht in seinem Elternhaus, 1752 wechselte er in die Lateinschule „Darmstädter Pädagog“ (heute auch Altes Pädagog genannt). Für seinen Fleiß und Scharfsinn wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Die Schulausbildung schloss er 1761 ab, für das von ihm angestrebte Studium der Mathematik reichte das Geld jedoch nicht aus. Seine Mutter Katharina Henriette Lichtenberg, geb. Eckhard (1696-1764) reichte 1762 ein Bittgesuch auf finanzielle Unterstützung beim Landgrafen Ludwig VIII. ein. Der Antrag wurde 1763 positiv beschieden; Lichtenberg erhielt ein jährliches Stipendium in Höhe von 200 Gulden. Im Mai des Jahres verließ er Darmstadt und studierte bis 1766 an der Universität Göttingen — unter anderem bei Abraham Gotthelf Kästner — Mathematik und Naturwissenschaften. In den Jahren 1766 bis 1774 führt er astronomische Beobachtungen am alten Observatorium durch.[1]

Nach seinem Studium unternahm er zwei längere Reisen nach England. Auf der ersten Reise 1770 führte er König Georg III. von England und Hannover durch die Sternwarte von Richmond upon Thames. Der König war so beeindruckt, dass er in einem Schreiben die Ernennung Lichtenbergs zum außerordentlichen Professor für Philosophie empfahl. Die zweite England-Reise, auf der er auch Teilnehmer von Cooks zweiter Weltreise kennenlernte, unternahm er von 1774 bis 1775.

1770 wurde Lichtenberg Professor für Physik, Mathematik und Astronomie an der Universität Göttingen, doch erst ab 1776 hielt er regelmäßig Vorlesungen. Ab 1780 war er Ordinarius für Physik. Nach seinem Tod folgte ihm in diesem Amt Johann Tobias Mayer, Sohn von Tobias Mayer, nach.

1777 hat Lichtenberg vor der Ankunft des Magiers Meyer Philadelphia in Göttingen ein Plakat aushängen lassen, auf dem er Philadelphias Programm so ankündigte, als stamme es von diesem selbst. Auf diesen Plakaten war zu lesen, Philadelphia werde blitzschnell den Wetterhahn der Jacobikirche mit der Fahne auf der Johanniskirche vertauschen. Meyer Philadelphia verließ Göttingen ohne nur eine Vorstellung gegeben zu haben.

Lichtenberg litt sein ganzes Leben an einer zunehmenden Kyphoskoliose (Wirbelsäulenverkrümmung), die nicht nur zu einem ausgeprägten Buckel und geringer Körpergröße führte, sondern auch das Atmen immer mehr erschwerte.

[Bearbeiten] Lehre und Forschung

Lichtenberg befasste sich mit naturwissenschaftlichen Themen auf breiter Ebene, unter anderem mit der Geodäsie, Meteorologie, Astronomie und Chemie. In der Elektrizitätslehre führte er die Begriffe positive und negative Elektrizität ein. Sein Geschick als Experimentalphysiker stellte er mit der Entwicklung eines 2,5 Quadratmeter großen Elektrophors unter Beweis. Mit dieser Influenzmaschine konnte er sehr hohe Spannungen erzeugen und Funken bis zu 40 cm Länge hervorrufen.[2] Lichtenberg zählt auch zu den Begründern der Plasmaphysik. So entdeckte er auf dem Staub einer Isolatorplatte des Elektrophors sternförmige Muster, die als Lichtenberg-Figuren bezeichnet werden.[3] Lichtenberg führte als erster den von Benjamin Franklin erfundenen Blitzableiter in Göttingen und als einer der ersten in Deutschland ein, indem er 1780 und 1794 seine Gartenhäuser mit einem solchen Furchtableiter versah, der durch die Ableitung unserer modernen Kenntnis entspricht.[4]

Über seine naturwissenschaftlichen Entdeckungen hinaus ist Georg Christoph Lichtenberg durch seine kritisch-analytische Denkweise und die Betonung des Experiments in der Physik einer der wichtigsten Begründer der modernen naturwissenschaftlichen Methodik.

Je mehr sich bei Erforschung der Natur die Erfahrungen und Versuche häufen, desto schwankender werden die Theorien. Es ist aber immer gut sie nicht gleich deswegen aufzugeben. Denn jede Hypothese, die gut war, dient wenigstens die Erscheinungen bis auf ihre Zeit gehörig zusammen zu denken und zu behalten. Man sollte die widersprechenden Erfahrungen besonders niederlegen, bis sie sich hinlänglich angehäuft haben um es der Mühe wert zu machen ein neues Gebäude aufzuführen.“ (Lichtenberg: Sudelbuch JII/1602)

Lichtenberg gilt als Vertreter der Aufklärung und wurde unter anderem von Kant und Spinoza beeinflusst. 1778 begann Lichtenberg seine später berühmte Hauptvorlesung „Experimentalphysik“. Der neue Demonstrationscharakter der Vorlesung, die er bis zu seinem Tod hielt, machten ihn über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ab 1784 übernahm er die Herausgabe des Lehrbuchs „Anfangsgründe der Naturlehre“ seines Freundes Johann Christian Erxleben, der 1777 früh verstorben war. Bis 1794 folgen drei weitere Überarbeitungen. Die Anfangsgründe waren über Jahre hinweg das Standardwerk unter den Physiklehrbüchern im gesamten deutschsprachigen Raum. Außerdem war Lichtenberg seit 1777 Herausgeber des Göttinger Taschencalenders. Darin publiziert er populärwissenschaftliche Darstellungen.

Georg Christoph Lichtenberg wurde 1771 von der hannoverschen Regierung mit der geodätischen Vermessung von Hannover, Osnabrück und später auch Stade beauftragt; die Position Göttingens war bereits hinreichend bekannt. Die Vermessungsreisen dauerten vom Dezember 1771 bis zum September 1773. Zwischenzeitlich besuchte Lichtenberg Hamburg und Helgoland. Die Ergebnisse dieser, seiner einzigen größeren astronomischen Arbeit erschienen 1777. Vergleicht man Lichtenbergs Werte mit der Messung von Gauß (einem Hörer Lichtenbergs) und Schumacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, so sind Abweichungen zwischen 7 und 15 Bogensekunden für die Breitenbestimmung festzuhalten. Die Differenzen in der Längenbestimmung fallen mit 6 bis 60 Bogensekunden deutlich größer aus.

Denkmal am alten Rathaus in Göttingen
vergrößern
Denkmal am alten Rathaus in Göttingen

[Bearbeiten] Schriftstellerische Arbeiten

Über viele Jahre hat Lichtenberg ab 1765 in Schreibheften, den Sudelbüchern in aphoristischer Form unzählige Gedankensplitter notiert, die postum veröffentlicht wurden. Da heißt es etwa:

Der Amerikaner, der den Kolumbus entdeckte, machte eine böse Entdeckung, oder
Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht, oder
Alle Menschen schieben auf und bereuen den Aufschub,oder:

" Die Sanduhren erinnern nicht bloß an die schnelle Flucht der Zeit, sondern auch zugleich an den Staub, in welchen wir einst verfallen werden."

Er verewigte dort auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse. So schrieb er beispielsweise über die von ihm eingeführten Bezeichnungen positive und negative Elektrizität:

Mein +E und -E ist ebenfalls angenommen worden auch schon von Ausländern. (Sudelbuch JII/1440; 1789-93).

Ein Teil der Sudelbücher wurde vom Gutenberg-Projekt digitalisiert und steht online zur Verfügung:

  • Sudelbuch A, Erstes bis fünftes Heft, 1765-1770 [5]
  • Weitere Beispiele aus den Sudelbüchern findet man auf der Site der Lichtenberg-Gesellschaft (dort auch der Aufsatz von Ulrich Joost, Schmierbuchmethode bestens zu empfehlen. Lichtenbergs 'Sudelbuch'-Aphorismen) [6]

Gleichberechtigt neben den Sudelbüchern sind für Philologen und Historiker seine Briefe und Essays anzusiedeln. Diese schrieb er auf deutsch, seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen vorzugsweise in Latein.

Lichtenberg unterhielt über seine private Korrespondenz hinaus viele Jahre gute Beziehungen zu zeitgenössischen, aufklärerischen Kulturzeitschriften, in denen er Essays beitrug zu Debatten über unter anderem Physiognomik, Sonnenbaden, Kunst- und Theatergeschehen.

Die „Briefe aus England“ (1774/75) sind wertvolle Beiträge vor allem zur Geschichte des englischen Theaters.

[Bearbeiten] Literatur

  • Bernd Achenbach / Ulrich Joost: Lichtenbergs äußere Erscheinung. Eine kritische Ikonographie. (Lichtenberg-Studien Band I) Wallstein Verlag, Göttingen 1991, ISBN 3892440093
  • Dag Nicolaus Hasse (Hrsg.): Georg Christoph Lichtenberg. Observationes. Die lateinischen Schriften. Wallstein Verlag Göttingen 1997, ISBN 3892442665
  • Hans-Joachim Heerde: Das Publikum der Physik. Lichtenbergs Hörer. (Lichtenberg-Studien Band XIV) Wallstein Verlag Göttingen 2006, ISBN 3835300156
  • Wiard Hinrichs / Ulrich Joost: Lichtenbergs Bücherwelt. Ein Bücherfreund und Benutzer der Göttinger Bibliothek. Ausstellungskatalog. (Lichtenberg-Studien Band III) Wallstein Verlag Göttingen 1989, ISBN 3892440123
  • Ulrich Joost (Hrsg.): Ihre Hand, Ihren Mund, nächstens mehr ... Lichtenbergs Briefe 1765 bis 1799. C. H. Beck München 1998, ISBN 3406545017
  • Ulrich Joost: Lichtenberg - der Briefschreiber. (Lichtenberg-Studien Band V) Wallstein Verlag Göttingen 1993, ISBN 3861500426
  • Ulrich Joost / Albrecht Schöne (Hrsg.): Georg Christoph Lichtenberg. Briefwechsel 1765-1779, 1780-1784, 1785-1792, 1793-1799. 4 Bände, C. H. Beck Verlag München 1983-1992
  • Ulrich Joost (Hrsg.) / Hans-Joachim Heerde (Bearbeiter): Georg Christoph Lichtenberg. Briefwechsel 1765-1799. Kommentiertes Personen- und Sachregister. 2 Bände, C. H. Beck Verlag München 2004, ISBN 3406309607
  • Ulrich Joost (Hrsg.): Georg Christoph Lichtenberg. Noctes: Ein Notizbuch. Wallstein Verlag Göttingen 1992
  • Ulrich Joost (Hrsg.): Georg Christoph Lichtenberg. Aphorismen und andere Sudeleien. Reclam Verlag Ditzingen 2003, ISBN 3150500427
  • Georg Christoph Lichtenberg: Vorlesungen zur Naturlehre. Ediert nach G. Chr. Lichtenbergs annotierten Handexemplar der 4. Auflage von Johann Christian Polykarp Erxlebens Anfangsgründe der Naturlehre, hrsg. von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Technischen Universität Darmstadt, bearbeitet von Wiard Hinrichs, Albert Krayer u. Horst Zehe, Wallstein Verlag Göttingen 2005, ISBN 3892448914
  • Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799, Wagnis der Aufklärung. Ausstellungskatalog, Darmstadt 1992
  • Wolfgang Promies (Hrsg.): Georg Christoph Lichtenberg: Schriften und Briefe. 4 Bände, München 1968-1972
  • Frank Schäfer: Lichtenberg und das Judentum. (Lichtenberg-Studien Band X) Wallstein Verlag Göttingen 1998, ISBN 3-89244-306-8


Peter Sehr arbeitet mit Hans Magnus Enzensberger seit Jahren an einer Verfilmung des Lebens von Georg Christoph Lichtenberg.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikisource: Georg Christoph Lichtenberg – Quellentexte
Commons: Georg Christoph Lichtenberg – Bilder, Videos und/oder Audiodateien

[Bearbeiten] Gesprochene Wikipedia

Dieser Artikel existiert als Audiodatei. Dieser Artikel wurde als Audiodatei eingesprochen.

Speichern | Anhören | Informationen

Mehr Informationen zum WikiProjekt Gesprochene Wikipedia.

Static Wikipedia 2008 (no images)

aa - ab - af - ak - als - am - an - ang - ar - arc - as - ast - av - ay - az - ba - bar - bat_smg - bcl - be - be_x_old - bg - bh - bi - bm - bn - bo - bpy - br - bs - bug - bxr - ca - cbk_zam - cdo - ce - ceb - ch - cho - chr - chy - co - cr - crh - cs - csb - cu - cv - cy - da - de - diq - dsb - dv - dz - ee - el - eml - en - eo - es - et - eu - ext - fa - ff - fi - fiu_vro - fj - fo - fr - frp - fur - fy - ga - gan - gd - gl - glk - gn - got - gu - gv - ha - hak - haw - he - hi - hif - ho - hr - hsb - ht - hu - hy - hz - ia - id - ie - ig - ii - ik - ilo - io - is - it - iu - ja - jbo - jv - ka - kaa - kab - kg - ki - kj - kk - kl - km - kn - ko - kr - ks - ksh - ku - kv - kw - ky - la - lad - lb - lbe - lg - li - lij - lmo - ln - lo - lt - lv - map_bms - mdf - mg - mh - mi - mk - ml - mn - mo - mr - mt - mus - my - myv - mzn - na - nah - nap - nds - nds_nl - ne - new - ng - nl - nn - no - nov - nrm - nv - ny - oc - om - or - os - pa - pag - pam - pap - pdc - pi - pih - pl - pms - ps - pt - qu - quality - rm - rmy - rn - ro - roa_rup - roa_tara - ru - rw - sa - sah - sc - scn - sco - sd - se - sg - sh - si - simple - sk - sl - sm - sn - so - sr - srn - ss - st - stq - su - sv - sw - szl - ta - te - tet - tg - th - ti - tk - tl - tlh - tn - to - tpi - tr - ts - tt - tum - tw - ty - udm - ug - uk - ur - uz - ve - vec - vi - vls - vo - wa - war - wo - wuu - xal - xh - yi - yo - za - zea - zh - zh_classical - zh_min_nan - zh_yue - zu -